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Schülerfirmen einfach machen - Kritik und Feedback kann man immer noch einarbeiten, wenn man gestartet ist!

Die Lernmethode Schülerfirma ist sehr flexibel und anpassungsfähig. Dies ist Fluch und Segen zugleich. Von Schule zu Schule unterscheiden sich die Rahmenbedingungen signifikant und damit auch der Prozess der Gründung bzw. des Aufbaus einer Schülerfirma. Nichtsdestotrotz sind im Folgenden die wesentlichen Entscheidungen und Meilensteine beschrieben, die auf dem Weg zu einer erfolgreichen Schülerfirma absolviert werden müssen.

Grundsätzlich gibt es dazu zwei Herangehensweisen, von denen Sie sich – je nachdem wie sich Alltag und Entscheidungskompetenzen an ihrer Schule darstellen – für die besser Geeignete entscheiden sollten.


Lernziele

Nicht abschließende Übersicht über Lernziele von Schülerfirmen

Im Idealfall beginnen Sie mit der Überlegung, welche übergeordneten Lernziele Sie mit Ihrer noch zu gründenden Schülerfirma verfolgen wollen. Diese auf den ersten Blick leichte Aufgabe ist durchaus eine Herausforderung, wenn man bedenkt, aus wie vielen unterschiedlichen Themenbereichen Lernziele für eine Schülerfirma kommen können. Eine definitiv nicht abschließende Auflistung beginnt wie folgt:

  • Handlungskompetenzen trainieren
  • Disziplinen und Grundwissen der BWL kennen lernen
  • MS-Office Bedienung (Word, Excel, PowerPoint) einübe
  • Soziales Lernen/Teamarbeit
  • Selbstständigkeit als Berufsoption
  • Umgang mit Geld/wirtschaftliches Handeln
  • Nachhaltiger Konsum/Fairer Handel
  • kreatives Unternehmertum

Insgesamt sollten Sie für ihre Schülerfirma nicht mehr als drei Lernziele aus maximal zwei der aufgezählten Überthemen formulieren. Diese Lernziele werden Ihnen über die Laufzeit der Schülerfirma hinweg immer der beste Kompass sein, wenn es bei der Vorbereitung und Betreuung der Schülerfirma darum geht, kleine, regelmäßig nötige Entscheidungen zügig zu treffen. Denn haben Sie sich erst einmal auf die Lernziele festgelegt, sind Fragen darüber, ob Sie jetzt in ein bis zwei Doppelstunden das Thema „Rechnungen schreiben“ gemeinsam mit den Schülern durcharbeiten sollen oder zunächst doch lieber die erste Rechnung am Nachmittag in 30 Minuten selbst schreiben, schnell getroffen – je nachdem in welchem Verhältnis die Aktion „Rechnungen schreiben“ zu den Lernzielen für Ihre Schülerfirmenmitarbeiter steht.

Schulindividuellen Rahmenbedingungen

Alternativ kann die Gründung einer Schülerfirma auch mit der Festlegung der Rahmenbedingungen an der Schule beginnen. Dazu ist zu beachten, dass eine Schülerfirmengründung nur dann sinnvoll ist, wenn man auch mindestens zwei Wochenstunden mit ihr gemeinsam arbeiten kann. Die Ausgestaltung der Präsenzphasen der Schülerfirma variieren ebenso, wie die Motivations- und Bewertungsmechanismen, je nachdem ob die Schülerfirma als Kurs im Wahlpflichtbereich oder als freiwilliges Zusatzengagement der Schüler durchgeführt wird.

Verschiedene Geschäftsideen für Schülerfirmen

Auswahl der Geschäftsidee

Unabhängig davon, in welcher Reihenfolge Sie die Lernziele sowie die schulischen Rahmenbedingungen für die Schülerfirma festgelegt haben, müssen Sie sich überlegen, ob Sie die Geschäftsidee den Schülern vorgeben möchten oder ob diese sich in einem kreativen Prozess selbst überlegen, welche Produkte oder Dienstleistungen ihre Schülerfirma anbieten soll. In letzterem Fall können Sie schon mit der Dauer eines knappen Schulhalbjahrs rechnen bis eine solide Geschäftsidee gefunden ist. Optional könnten die Schüler dann noch vor dem offiziellen Start der Firma einen Businessplan oder eine Businessplan-Präsentation erstellen. Sollten Sie die Geschäftsidee vorgeben, bietet es sich an, vorher Bewerbungsgespräche mit den an einer Mitarbeit interessierten Schülern zu führen bzw. von einem externen Partner z.B. einem ehrenamtlichen Freund, Handwerksmeister o.a. führen zu lassen. Gerade in für die Schülerfirmenmitarbeiter schwierigen Zeiten - z.B. bei einem Umsatzrückgang oder bei Komplikationen mit Lieferanten - verhindert die vorher mit einem Erfolgsgefühl überstandene Stresssituation „Bewerbungsgespräch“ einen (zu) starken Rückgang der Motivation.

Organisationsstruktur der Schülerfirma

Eine weitere wichtige Entscheidung für Sie ist, ob Sie mit Abteilungen arbeiten wollen. Dies sollten Sie in Abhängigkeit Ihrer für die Schülerfirma festgelegten Lernziele und der Größe des rekrutierten Schülerfirmenteams entscheiden. Abteilungen haben den Vorteil, dass die teilnehmenden Schüler einen guten Überblick über die Arbeitsteilung innerhalb von Unternehmen bekommen und nach der Schülerfirmenerfahrung genau wissen, welche Abteilungen einer Firma, für welche Aufgabenbereiche zuständig sind. Der Nachteil an der Arbeit mit Abteilungen ist jedoch, dass Sie als betreuende Lehrkraft die Wochenstunden der Schülerfirma nicht nur einmal für die ganze Gruppe, sondern abteilungsindividuell vorbereiten müssen. Bei vier bis fünf Abteilungen fällt so ganz schnell ein Vielfaches der Vorbereitungsarbeit an. Bitte denken Sie daran: Je mehr Spaß Sie mit der Schülerfirma haben, umso erfolgreicher ist das Projekt auch für Ihre Schüler. Übernehmen Sie sich nicht!

Unabhängig davon, ob Sie Abteilungen bilden lassen oder nicht, bietet es sich an, Arbeitsverträge zwischen der Schülerfirma und den teilnehmenden Jugendlichen zu schließen. Vorlagen und zusätzliche Hilfe dazu finden Sie unter Tipps und Tricks. Arbeitsverträge erhöhen den Echtheitscharakter und den Erfahrungswert der teilnehmenden Schüler. Gleichzeitig bieten Ihnen Arbeitsverträge die Möglichkeit, Schülern die Verantwortung für klar definierte Aufgabenpakete zu übergeben und mit dem typischen arbeitsrechtlichen Vokabular - wie z.B. Verwarnung, Abmahnung und Kündigung - zu arbeiten.

Besonderheiten bestimmter Schülerfirmen

Für die Arbeit am Gymnasium oder mit älteren Schülern besteht auch die Möglichkeit mit der Schülerfirma eine „echte Rechtsform“ nachzubilden und eine Schüler-GmbH oder eine Schüler-AG zu gründen. Eine solche Vorgehensweise hat den Vorteil, dass Eltern oder Lehrer als Anteilseigner der Schülerfirma geworben werden können und dass die Schüler selbst Anteile an der Schülerfirma erwerben können, also Geld investieren und ggf. am Ende des Schuljahres im Rahmen der Ausschüttung eine Dividende bekommen. Das Verkaufen von Anteilscheinen macht insbesondere für solche Schülerfirmen Sinn, bei denen hohe Anfangsinvestitionen für die Umsetzung der Geschäftsidee nötig sind.

Gewinnverwendung

Schließlich sollten Sie sich natürlich auch – gemeinsam mit den Schülern – darüber Gedanken machen, was mit einem etwaigen Gewinn oder im negativen Fall auch mit einem Verlust der Schülerfirma geschehen soll. Viele Schülerfirmen verwenden ihren erwirtschafteten Gewinn, um den eigenen Mitarbeitern z.B. mit einem Ausflug oder einem Grillfest eine Freude zu machen. Denn schließlich arbeiten die Schülerfirmenmitarbeiter ehrenamtlich ohne Gehalt. Andere Möglichkeiten sind jedoch auch die finanzielle Unterstützung von Anschaffungen der Schule oder einzelner Klassen(stufen). Die Möglichkeit, die Gewinne an eine Partnerschule im Ausland oder an ausgewählte soziale Projekte zu spenden wird auch häufig gewählt. Schließlich können die Gewinne natürlich auch angespart werden, um zukünftig größere Investitionen für die Schülerfirma zu tätigen.

Rechtliches

Bezüglich des (steuer-)rechtlichen Rahmens von Schülerfirmen brauchen Sie sich in der Regel keine Sorgen zu machen,wie der Artikel Rechtliches zeigt. Jede Schule kann durch die Genehmigung der Schulkonferenz eine Schülerfirma als „pädagogisches Projekt“ unter dem rechtlichen Dach der Schule gründen. Dies bedeutet, dass Ihre Schülerfirma pro Jahr bis zu 17.500 Euro umsetzen kann, ohne dass irgendwelche Steuern fällig werden. Eine ordnungsgemäße Bilanzbuchhaltung mit doppelter Buchführung müssen Sie in diesem Fall NICHT führen. Es reicht eine simple Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, in der Sie alle Geldströme mit Datum und Beleg - z.B. Kassenbon, tägliche oder wöchentliche Kassenabrechnung der Schülerfirma etc. - festhalten, um dem zuständigen Finanzamt bei Bedarf nachweisen zu können, dass ihre Schülerfirma unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro bleibt. Der Gewinn der Schülerfirma sollte in einem Geschäftsjahr nicht mehr als 3.835 Euro betragen. Sollten Sie unter der Umsatzgrenze von 17.500 Euro bleiben, aber dennoch einen höheren Gewinn erwirtschaften - Gratulation zu dieser erfolgreichen Schülerfirma! - können Sie mit Hilfe von Ausgaben für die Schule den Gewinn so schmälern, dass er nicht mehr als 3.835 Euro beträgt.

Dokumentation und Evaluation

Schlussendlich ist es empfehlenswert, schon zu Beginn einer Schülerfirmengründung kurz auch daran zu denken, wie sie das Projekt dokumentieren und vielleicht auch evaluieren möchten. Denn es ist kein großer Aufwand für Sie, mit Hilfe von kostenlosen Online-Umfragen (surveymonkey.de u.ä.) oder Fragebögen vor Beginn des Projekts Erwartungen und Selbsteinschätzungen der Schüler zu sammeln und diese am Ende des Schuljahres mit einer erneuten Abfrage abzugleichen (Hinweise zu Formularen finden Sie unter Tipps und Tricks). Für die Dokumentation eignen sich insbesondere Blogs oder auch eine facebook Seite für die Schülerfirma, auf denen die Schülerfirmenmitarbeiter neben ihren Angeboten auch regelmäßig über Lernerfahrungen berichten.